12 prägende Sozialdemokrat*innen: Johanna Tesch

Veröffentlicht am 14.06.2018 in Allgemein

Johanna Tesch

Johanna Tesch (geb. 1875 in Frankfurt; gest. 1945 im KZ Ravenbrück) gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Sozialdemokratie. Sie hat »mit ihrem politischen Wirken und ihrem unbeirrbaren Festhalten an der Menschenwürde, mit ihrem Kampf gegen ungerechte Verhältnisse und politische Vorurteile, mit ihrem Mut ... der Stadt Frankfurt ein Vorbild geschenkt« (Kulturdezernentin Linda Reisch anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel).

Die engagierte Frankfurter Frauenrechtlerin, SPD-Politikerin, ehemalige Reichstagsabgeordnete und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime starb im Konzentrationslager Ravensbrück. Jahrzehntelang engagierte sie sich durchgängig für die Belange besonders der benachteiligten Frauen in ihrer Heimatstadt, aber auch weit darüber hinaus. Es gelang ihr, die Aufmerksamkeit ihrer Mitstreiter im Berliner Reichstag auf die desolaten Arbeits- und Lohnverhältnisse der Hausangestellten und Arbeiterfrauen zu lenken.

Johanna Tesch kannte aus eigener Anschauung die Nöte und Sorgen der »kleinen Leute«. Praktisch und hilfsbereit veranlagt, bemühte sie sich bald nach ihrer Heirat mit dem Sozialdemokraten Richard Tesch um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen besonders für die benachteiligten Frauen (1902 Gründung des »Bildungsvereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse«, 1906 Ortsgruppe des »Zentralverbands der Hausangestellten«).

Bis zum Ende des 1. Weltkrieges übernimmt sie trotz ihrer Berufstätigkeit und einer Familie mit drei Söhnen noch zahlreiche soziale Aufgaben. Bei den Frankfurter Sozialdemokraten spielte sie eine wichtige Rolle, unterstützte gerade junge Parteimitglieder und vermittelte zwischen den Jugendorganisationen und den »Alten«. Kennzeichnend für ihr politisches Wirken sind ihr Gerechtigkeitsgefühl, ihre Toleranz und nicht zuletzt Güte und Uneigennützigkeit.

Als 1919 bei der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung erstmals auch Frauen das Stimmrecht erhielten, geht Tesch für Hessen-Nassau nach Weimar, dann bis 1924 in den deutschen Reichstag nach Berlin. Früh sieht sie die Gefahr durch reaktionäre Kräfte und setzt sich für eine Einigung der Arbeiterbewegungen ein. Nach 1924 macht sich die SPD die hervorragenden Redefähigkeiten Teschs zunutze: in ganz Hessen hält sie Vorträge u.a. über Wohnungsnot, zur Steuerpolitik, zu pädagogischen Fragen und immer wieder zu frauenspezifischen Themen.

Mit der Machtübernahme der Nazis und dem Verbot der SPD verliert Teschs Mann seine Stelle bei der sozialdemokratischen Zeitung »Volksstimme«, so dass neben allem anderen konkrete wirtschaftliche Sorgen das Alltagsleben bestimmen. Trotzdem lässt sich Tesch nicht entmutigen. Ihren jüngsten Sohn Carl, der nach dem Auffliegen einer illegalen Gruppe gerade noch in die Schweiz entkommen kann, hält sie über Deckadressen mit Informationen aus Hitler-Deutschland auf dem Laufenden. Mit Geldern, die sie auf geheimen Wegen aus der Schweiz bekommt, unterstützt sie still und unauffällig politische Häftlinge und ihre Familien. 1937 oder 1938 gelingt es ihr, ihren Sohn im Exil zu besuchen, wobei sie auch mit führenden Schweizer Sozialdemokraten zusammentrifft. Dabei ist sie es, die den angesichts der außenpolitischen Erfolge Hitlers verzagten Genossinnen Mut zuspricht!

Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wird am 22. August auch Johanna Tesch von der Gestapo verhaftet und nach einmonatigen Verhören in das KZ Ravensbrück eingeliefert. Ihr Mann versucht verzweifelt für seine schwer herz- und nierenkranke Frau die Haftentlassung zu erreichen. Ein halbes Jahr übersteht Johanna Tesch die unmenschlichen, brutalen Haftbedingungen, bevor sie kurz vor ihrem 70. Geburtstag völlig entkräftet stirbt.

An die „Streiterin für Demokratie und Gerechtigkeit” erinnert seit 1995 eine Gedenktafel
an Teschs ehemaligem Wohnhaus. Gedenktafel für Johanna Tesch
Die Stadt Frankfurt am Main ehrte sie mit der Umbenennung des Schulze-Delitzsch-Platzes in „Johanna-Tesch-Platz”. Aber auch außerhalb Frankfurts ist das Gedenken an Johanna Tesch präsent: In Berlin steht ihr Name auf einer der 96 Gedenktafeln für diejenigen Reichstagsabgeordneten, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, zudem gibt es im Stadtteil Niederschöneweide eine „Johanna-Tesch-Straße”. Eine Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt in Gummersbach ist nach ihr benannt. Der Ortsverband der SPD-Riederwald und die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt stiften einen Preis für soziales Engagement in ihrem Sinne.

 

Zum Weiterlesen:

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/johanna-tesch/

http://www.frankfurterfrauenzimmer.de/ep10-detail.html?bio=dj

 

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