Menschen statt Privilegien

Veröffentlicht am 27.09.2019 in Europa

Versöhnliche Brexit-Strategie, radikale Umverteilung und null Emissionen: Jeremy Corbyns Rede beim Labour-Parteitag in Brighton.

Von Jeremy Corbyn |

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DPA  „Die Menschen an die Macht bringen!“

Dies ist ein außergewöhnlicher und schwieriger Moment in der Geschichte unseres Landes. Der Premierminister hat versucht, das Parlament in eine Zwangspause zu schicken, was sich jetzt als illegal herausgestellt hat. Der oberste Gerichtshof des Landes stellte fest, dass Boris Johnson mit seinem Versuch, die demokratische Rechtsstaatlichkeit in einem entscheidenden Moment unseres öffentlichen Lebens auszuhebeln, das Gesetz gebrochen hat.

Als der Premierminister versuchte, die Opposition gegen seinen rücksichtslosen und gefährlichen Plan, ohne Abkommen aus der Europäischen Union auszutreten, zu unterdrücken, handelte er illegal. Aber er ist gescheitert. Niemals wird er unsere Demokratie stilllegen oder die Stimme des Volkes zum Schweigen bringen. Die Demokratie, die Boris Johnson als „Zirkus“ bezeichnet, wird nicht erstickt werden, und die Menschen werden weiterhin das letzte Wort haben.

Das Parlament geht zurück an die Arbeit. Die Regierung wird für das, was sie getan hat, zur Verantwortung gezogen werden. Boris Johnson hat das Land in die Irre geführt. Dieser nicht gewählte Premierminister sollte nun zurücktreten.

Damit wäre er der am kürzesten regierende Premierminister in der Geschichte, und dies zu Recht. Seine Regierung setzt sich aus einer geborenen Herrscherelite zusammen, die glaubt, die Regeln, die sie für die anderen aufstellt, gälten nicht für sie selbst.

Diese Krise kann nur mit Neuwahlen beigelegt werden. Die Wahlen müssen stattfinden, sobald die Drohung der Regierung mit einem katastrophalen Brexit ohne Abkommen vom Tisch ist.

Dies hat die Entscheidung des Obersten Gerichts mit brutaler Klarheit verdeutlicht. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass es keinen Grund – „und schon gar keinen guten Grund“ – für den Premierminister gab, das Parlament stillzulegen. Er dachte, er kann tun, was er will, so wie er es immer tut. Er denkt, er steht über uns anderen. Er ist Teil einer Elite, die die Demokratie missachtet. Und er ist nicht geeignet dafür, Premierminister zu sein. Dazu möchte ich den Rechtsspruch des Obersten Gerichts zitieren: „Unrechtmäßig, null und nichtig, und muss verworfen werden“ – für den Premierminister ein vernichtendes Urteil.

Diese Krise kann nur mit Neuwahlen beigelegt werden. Die Wahlen müssen stattfinden, sobald die Drohung der Regierung mit einem katastrophalen Brexit ohne Abkommen vom Tisch ist. Bevor Boris Johnson das Parlament illegal in die Zwangspause schickte, war diese Bedingung von den Parlamentsmitgliedern als Gesetz verabschiedet worden.

Sie ist ein sehr bedeutsamer Schutzmechanismus. Nach dem, was geschehen ist, kann niemand mehr dieser Regierung und diesem Premierminister vertrauen. Es kann sein, dass sie die von ihnen selbst geschaffene Krise ausnutzen und unser Land in fünf Wochen über eine No-Deal-Klippe in den Abgrund stoßen. Für einen solchen Brexit ohne Abkommen, der von der Mehrheit der Öffentlichkeit abgelehnt wird, hat der Premierminister kein Mandat. Ein solcher Brexit würde die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, zur Verknappung von Medikamenten führen und den Frieden in Nordirland gefährden, also die Arbeit des Freitagsabkommens zerstören.

Der Kampf um No-Deal ist keine Auseinandersetzung zwischen jenen, die die EU verlassen wollen, und jenen, die darin bleiben möchten. Es geht dabei vielmehr um eine kleine, politisch rechtsgerichtete Gruppe, die versucht, das Ergebnis der Volksabstimmung zu kapern, um unsere Rechte und Sicherheiten zu zerstören. Es geht darum, dass jene, die jetzt schon ganz oben sind, noch mehr Macht und Reichtum bekommen.

Natürlich ist Trump entzückt darüber, einen fügsamen britischen Premierminister in seiner Hosentasche zu haben.

Unter dem Deckmantel eines „No-Deal“ wollen sie einen Ausverkauf dessen, was von unseren öffentlichen Dienstleistungen noch übrig ist. Sie wollen die Regulierungen abschaffen, die uns schützen, und die Unternehmenssteuern noch weiter senken. Die Regulierungsstandards und Arbeitnehmerrechte würden in einen Abwärtswettlauf geraten, um ein Steuerparadies für die Superreichen zu schaffen. Und all dies wollen sie mit einem einseitigen Freihandelsabkommen kombinieren, das unser Land zum Spielball Donald Trumps machen würde.

Daher bedeutet ein Brexit ohne Abkommen in Wirklichkeit einen Brexit mit einem Trump-Abkommen. Dies wäre das Gegenteil des Versuchs, die Kontrolle zurück zu bekommen. Es würde bedeuten, die Zukunft unseres Landes an den US-Präsidenten und seine America-First-Politik zu übergeben. Natürlich ist Trump entzückt darüber, einen fügsamen britischen Premierminister in seiner Hosentasche zu haben. Ein Trump-Deal-Brexit würde dazu führen, dass US-Konzerne grünes Licht dafür bekämen, unsere öffentlichen Einrichtungen komplett zu übernehmen.

Wird unser Nationaler Gesundheitsservice NHS auf dem Altar der Geschäftsinteressen Amerikas oder eines anderen Landes geopfert, werde ich dabei nicht einfach tatenlos zuschauen. Und bei den kommenden Neuwahlen wird Labour die einzige große britische Partei sein, die den Menschen genug vertraut, um ihnen zum Thema Brexit das letzte Wort zu geben.

Wir müssen den Brexit so organisieren und ausführen, dass er unsere Wirtschaft und unsere Demokratie nicht zerstört. Die Tories wollen ohne Abkommen austreten, und die Liberaldemokraten wollen die größte demokratische Abstimmung in der Geschichte des Landes rückgängig machen – mit einem abgekarteten Spiel im Parlament.

Wir bei Labour werden die Brexit-Krise beenden, indem wir die Entscheidung wieder an die Menschen zurückgeben. Sie werden die Wahl haben zwischen einem vernünftigen Austrittsabkommen oder dem Verbleib in der EU.

Wir bei Labour werden die Brexit-Krise beenden, indem wir die Entscheidung wieder an die Menschen zurückgeben. Sie werden die Wahl haben zwischen einem vernünftigen Austrittsabkommen oder dem Verbleib in der EU. Das ist gar nicht kompliziert. Labour ist eine demokratische Partei, die den Menschen vertraut. Nachdem die Tories dreieinhalb Jahre lang beim Brexit versagt haben, gibt es nur noch eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen und die Menschen wieder zu vereinigen: die Entscheidung aus der Hand der Politiker zu nehmen und das Volk wählen zu lassen.

Also wird eine Labour-Regierung innerhalb von drei Monaten nach ihrem Amtsantritt ein vernünftiges Brexit-Abkommen schließen, und zwar auf der Grundlage der Bedingungen, für die wir uns bei unseren Gesprächen mit der EU, den Gewerkschaften und den Unternehmen schon seit langem einsetzen: einer neuen Zollunion, einer Beziehung im Rahmen eines engen gemeinsamen Marktes und der Garantie für Rechte und Sicherheiten. Und innerhalb von sechs Monaten nach der Wahl werden wir das Volk entscheiden lassen, ob es dieses Abkommen will oder in der EU bleiben möchte. Und als zukünftiger Labour-Premierminister verspreche ich, das durchzusetzen, wofür sich die Menschen entschieden haben.

Nur eine Stimme für Labour wird eine öffentliche Stimme für den Brexit sein. Nur eine Labour-Regierung gibt die Macht in die Hände der Menschen zurück. Wir können unser Land und unser Volk einigen. Lasst uns den No-Deal-Brexit stoppen und dem Volk die Entscheidung geben.

Nicht zuletzt müssen wir das Thema Brexit deshalb über die Bühne bringen, weil es unsere Politik schon zu lange dominiert hat. Die kommenden Wahlen werden eine in dieser Generation einmalige Möglichkeit für echte Veränderungen sein. Eine Chance, Boris Johnsons Regierung der privilegierten Minderheiten abzusetzen und den Wohlstand und die Macht in die Hände der Vielen zu geben. Eine Chance, unserem NHS, unseren Schulen und unserer Polizei das nötige Geld zu verschaffen, indem wir diejenigen an der Spitze dazu bringen, ihren fairen Beitrag zu leisten. Eine Chance, dringende Maßnahmen für die Umwelt zu treffen, bevor es für unsere Kinder zu spät ist. Und eine Chance, die Brexit-Krise zu beenden, indem wir nicht den Politikern, sondern den Menschen das letzte Wort geben.

Johnson und seine reichen Freunde stehen nicht nur auf der Seite des Establishments, sie sind das Establishment. Sie werden nie auf der Seite des Volkes sein.

In einem schamlosen Versuch, die Wirklichkeit auf den Kopf zu stellen, behauptet Boris Johnsons Tory-Regierungselite nun, die Stimme des Volkes zu sein. Eine politische Partei, die dazu da ist, das Establishment zu schützen, tut so, als sei sie antielitär. Johnson und seine reichen Freunde stehen nicht nur auf der Seite des Establishments, sie sind das Establishment. Sie werden nie auf der Seite des Volkes sein, wenn dies bedeutet, dass es sie oder ihre superreichen Freunde dort trifft, wo es wehtut – in ihren Geldbörsen oder ihren Offshore-Bankkonten.

Ich will Boris Johnson eins sagen: Wenn Sie mit Ihrer Partei noch einmal zur Wahl antreten, wissen wir, dass Ihr Wahlkampfbüro in Geld schwimmen wird. Aber wir haben etwas, das Sie nicht haben: Hunderttausende Menschen aller Altersgruppen, die in ganz Großbritannien in ihren Gemeinschaften verwurzelt sind. Wir werden gegen Sie den größten von Menschen unterstützten Wahlkampf führen, den das Land jemals gesehen hat –und wenn wir gewinnen, werden es die Menschen sein, die gewinnen.

Labour steht für die echten Veränderungen, die Großbritannien nach Jahren konservativer Einschnitte und Fehlschläge braucht. Wir werden unser Land umbauen und verwandeln, damit niemand zurückgehalten wird und keine unserer Gemeinschaften auf der Strecke bleibt.

Wir leben in einem Land, in dem manche Wirtschaftsbosse in nur zweieinhalb Tagen dasselbe verdienen wie ein durchschnittlicher Arbeiter in einem ganzen Jahr. Ein Land, in dem sich die Chefs von Thomas Cook ihre Taschen mit unverdienten Boni füllen konnten, während ihr Scheitern dafür verantwortlich ist, dass ihren Arbeitnehmern die Entlassung droht und 150 000 Urlauber gestrandet sind.

Labour ist die Partei, die eure Taschen füllt, und nicht die Taschen der Multimillionäre.

Wir hatten die größten Lohnrückgänge seit dem Bau der ersten Dampfloks. Um Wohlstand zu teilen, müssen wir auch die Macht teilen. Und dies werden wir, wenn wir an der Regierung sind, tun – mit mutigen, radikalen Maßnahmen: Wir werden den Arbeitnehmern einen zehnprozentigen Anteil an den großen Unternehmen geben und jedem Beschäftigten jährlich bis zu 500 Pfund Dividende auszahlen.

Wir werden die Rechte der Arbeitnehmer stärker verbessern, als es unser Land jemals zuvor gesehen hat. Wir werden Nullstundenverträge abschaffen; einen Mindestlohn von zehn Pfund einführen, auch für junge Menschen ab 16; allen Arbeitnehmern ab dem ersten Tag im neuen Job gleiche Rechte geben; etwas gegen das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, bei Behinderten und zwischen ethnischen Gruppen tun; und flexible Arbeitszeiten für Arbeitnehmerinnen in der Menopause einführen.

Labour ist die Partei, die eure Taschen füllt, und nicht die Taschen der Multimillionäre. Und wir werden den Menschen am Arbeitsplatz eine demokratische Stimme geben, damit sie bessere Bedingungen und eine bessere Bezahlung aushandeln können. Innerhalb der ersten hundert Tage unserer Regierung werden wir den Trade Union Act der Tories abschaffen. Und Labour wird den Menschen niemals sagen, sie sollten bis zum 75. Lebensjahr arbeiten.

Eine Labour-Regierung bedeutet bessere Löhne, größere Sicherheit und mehr Mitsprache. Wir legen die Macht in die Hände der Menschen. Und wir überführen die Bahn, die Post, das Wassersystem und das nationale Stromnetz in öffentliches Eigentum, damit die grundlegenden Versorgungsdienste, von denen wir alle abhängen, nicht für Profite missbraucht werden, sondern von der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit betrieben werden.

Lebenslange kostenlose Ausbildung für alle ist kein Privileg, sondern ein Recht. Keine Gebühren für die Universitätsausbildung mehr. Stattdessen kostenlose Kinderbetreuung.

Die Generation meiner Eltern hat hart darum gekämpft, das Prinzip eines universellen Gesundheitssystems zu verwirklichen, das sich in öffentlichem Eigentum befindet und öffentlich betrieben wird. Sie hat uns dieses Projekt anvertraut. Es ist unsere Pflicht, es zu verteidigen. Wir werden den Ausverkauf und die Privatisierung beenden. Unser NHS ist nicht zu verkaufen – weder an Trump noch an irgend jemand anderen.

Und wir müssen auch über die soziale Pflege sprechen. Wenn ältere Menschen, die ihr ganzes Leben lang in das System eingezahlt haben, etwas Hilfe brauchen, dürfen wir ihnen diese nicht verweigern. Also werden wir als ersten Schritt in unserem Plan für einen Nationalen Pflegedienst kostenlose persönliche Pflege für diejenigen einführen, die sie brauchen.

Die Regierung muss eine Plattform gründen, die es allen Menschen erlaubt, ihr volles Potenzial zu verwirklichen. Dies ist das Prinzip hinter dem Nationalen Ausbildungsdienst, den die nächste Labour-Regierung einführen wird. Lebenslange kostenlose Ausbildung für alle ist kein Privileg, sondern ein Recht. Keine Gebühren für die Universitätsausbildung mehr. Stattdessen kostenlose Kinderbetreuung und ein neues Sure-Start-Programm. Kostenlose Berufsausbildung und technische Ausbildung. Und freie Weiterbildung für Erwachsene.

Sollten wir uns nicht schämen, dass die Vereinten Nationen unsere Regierung über die Tatsache zur Rede stellen mussten, dass im fünftreichsten Land der Erde 14 Millionen Menschen in Armut leben?

Und wenn es um die Bezahlung unserer öffentlichen Dienstleistungen geht, wird Labour die Steuern erhöhen, aber nur für die obersten fünf Prozent. Die Tories wollen die Steuern für diejenigen senken, die am besten verdienen. Labour wird dafür sorgen, dass die großen Konzerne die Steuern bezahlen, die sie uns schuldig sind. Die Tories geben ihnen Nachlässe.

Wie kann es richtig sein, dass den größten Unternehmen und den reichsten Personen Steuerbefreiungen gewährt werden, während auf der anderen Seite Mütter und Väter Mahlzeiten auslassen müssen, damit sie ihre Kinder ernähren können? Sollten wir uns nicht schämen, dass die Vereinten Nationen – tatsächlich, die Vereinten Nationen – unsere Regierung über die Tatsache zur Rede stellen mussten, dass im fünftreichsten Land der Erde 14 Millionen Menschen in Armut leben? Lassen Sie mich direkt aus dem UN-Bericht zitieren. Dort heißt es:

„Ein großer Teil des Kitts, der die britische Gesellschaft seit den Zweiten Weltkrieg zusammengehalten hat, wurde absichtlich entfernt und durch ein harsches und gefühlloses Ethos ersetzt.“

Ist das nicht eine gute Beschreibung für die Tories: ein harsches und gefühlloses Ethos?

Labour setzt sich ein für Mieter, unterbezahlte Arbeitnehmer und für all jene, die sich bemühen, über die Runden zu kommen. Wir werden das größte soziale Wohnungsbauprogramm dieser Generation beginnen. Denn Labour stellt die Menschen vor die Privilegien. Wir werden die Sparmaßnahmen beenden und dazu beitragen, dass unsere Gemeinschaft neu aufgebaut wird. Wir werden den lokalen Stolz wieder herstellen, die Einkaufsstraßen wiederbeleben, die der Kern unserer Gemeinden sind, und die Einschnitte rückgängig machen, aufgrund derer sich die Gewaltverbrechen verdoppelt haben.

Seit Jahrzehnten wird uns gesagt, die Wirtschaft liege jenseits unserer Kontrolle – sie sei eine unwiderstehliche Kraft, die ganze Kommunen in Schutt und Asche legen kann, während wir nur passiv zuschauen können. Aber das ist nicht wahr.

Labour wird Rekordinvestitionen tätigen, um unsere Wirtschaft in jeder Stadt und Region wieder in Gang zu bringen, und wir werden auch die regionalen Haushalte in Wales und Schottland ankurbeln. Wir verbessern unsere Transport-, Energie- und Breitbandinfrastruktur mit Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Pfund. Und mit weiteren 250 Milliarden für Unternehmen und Kooperativen bringen wir neues Leben in alle Gemeinschaften: Investitionen in einem Umfang, wie sie unser Land noch nie erlebt hat, und die neue Arbeitsplätze und frisches Wachstum an jeden Wohnort bringen.

So groß ist Labours Ehrgeiz. Keine Flickschusterei mehr. Dies sind keine abstrakten Zahlen in einer Tabelle. Sie stehen für einen wirtschaftlichen Wandel, der unser tägliches Leben verändert.

Seit Jahrzehnten wird uns gesagt, die Wirtschaft liege jenseits unserer Kontrolle – sie sei eine unwiderstehliche Kraft, die ganze Kommunen in Schutt und Asche legen kann, während wir nur passiv zuschauen können. Aber das ist nicht wahr.

Mit einer ernsthaften industriellen Strategie und einer radikalen Labour-Regierung muss die Wirtschaft nicht der Herrscher unseres Schicksals sein, sondern kann zu einem Werkzeug in unseren Händen werden. Und mit einer Regierung, die bereit ist einzugreifen, können wir den Dingen Priorität geben, die am wichtigsten sind.

Und genau das ist es, was in unseren Zeiten nötig ist, da es heute kein größeres Problem gibt als den Klimanotstand. Dies bedeutet, die großen Verschmutzer und Geldanhäufer zur Verantwortung zu ziehen, die vom momentanen System profitieren. Unsere Emissionen auf Nettonull zu bringen, wird nicht von selbst funktionieren. Es wird nur mit massiven Investitionen in erneuerbare Energien und grüne Technologien möglich sein.

Echte Sicherheit entsteht nicht durch kriegerische Posen oder rücksichtslose militärische Interventionen. Sie entsteht durch internationale Zusammenarbeit und Diplomatie.

Das ist keine Belastung. Es ist vielmehr eine Gelegenheit, eine grüne industrielle Revolution in Gang zu bringen. Indem wir die Sonnenenergie verdreifachen, die Windenergie verdoppeln und die Offshore-Windparkkapazität versiebenfachen, werden wir Hunderttausende hochqualifizierter, gewerkschaftlich organisierter Arbeitsplätze schaffen. Und deshalb haben wir angekündigt, dass die nächste Labour-Regierung drei Batteriefabriken bauen wird.

Der Klima- und Umweltnotstand, vor dem wir alle stehen, ist auch ein Problem der globalen Sicherheit. Wir erleben schmelzende Polkappen, sich auflösende Korallenriffe, Waldbrände am Polarkreis und den rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, der im Amazonasgebiet zündelt.

Echte Sicherheit entsteht nicht durch kriegerische Posen oder rücksichtslose militärische Interventionen. Sie entsteht durch internationale Zusammenarbeit und Diplomatie, und dadurch, dass wir die tatsächlichen Ursachen bekämpfen, die hinter den Bedrohungen stehen. Unsere Außenpolitik wird durch unsere Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten und dem internationalen Rechtswesen geprägt – und nicht durch die Begeisterung für fremde Kriege, die den Terrorismus und die Unsicherheit nicht bekämpfen, sondern fördern.

Also ist es wirklich kaum zu glauben, dass Boris Johnson in dieser Woche offen darüber spricht, Truppen nach Saudi-Arabien zu schicken, um sich in die immer gefährlichere Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran einzumischen – offensichtlich um zu versuchen, Donald Trump milde zu stimmen.

Haben wir wirklich nichts gelernt?

Immer und immer wieder während der beiden letzten Jahrzehnte hat das politische und militärische Establishment Großbritanniens Fehlentscheidungen getroffen. Es hat im Nahen Osten militärisch interveniert und damit die Konflikte nicht gelöst, sondern nur weiter ausgebreitet. Diese Fehler dürfen wir nicht wieder machen. Unter einer Labour-Regierung wird Großbritannien seine Macht für Frieden und internationale Gerechtigkeit einsetzen.

Ebenso wie die Rechtsextremen hat diese konservative Regierung die Spaltungen in unserer Gesellschaft verstärkt.

Diese gefährlichen und falschen internationalen Eingriffe haben auch die Spannungen in unserem eigenen Land erhöht. Als Boris Johnson muslimische Frauen mit Briefkästen oder Bankräubern verglich, war das keine flapsige Bemerkung, sondern ein kalkuliertes Spiel mit den Ängsten der Menschen. Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus sind keine Zeichen von Stärke, sondern von Schwäche.

Ebenso wie die Rechtsextremen hat diese konservative Regierung die Spaltungen in unserer Gesellschaft verstärkt. Sie schiebt die Probleme der Menschen auf die Einwanderer, die versuchen, sich ein besseres Leben zu erarbeiten. Sie beschuldigt die Mutter, die versucht, vom Universal-Credit-System zu leben. Sie schiebt die Probleme auf die Muslime, die jungen Menschen, also auf alle außer sich selbst und ihre Unterstützer, die von einen extrem ungleichen und manipulierten System profitieren.

Labour tut das Gegenteil: Wir bringen die Menschen zusammen. Eine Labour-Regierung wird unsere Wirtschaft und unsere Gemeinschaft transformieren. Wir stehen nicht nur hinter den 52 Prozent oder den 48 Prozent, sondern hinter den 99 Prozent.

Unter meiner Führung wird die Labour-Regierung diejenigen zur Verantwortung ziehen, die unser Land tatsächlich regieren – die Finanzspekulanten, die Steuerhinterzieher und die großen Verschmutzer – damit die Schöpfer des wirklichen Wohlstands, nämlich die Menschen dieses Landes, die Arbeitsplätze, Dienstleistungen und Zukunftsaussichten bekommen, die sie verdienen.

Wir wollen den Menschen, die nicht viel Geld und keine einflussreichen Freunde haben, die Chance geben, die Kontrolle über ihr Leben zu bekommen.

Bei der Politik, für die wir stehen, geht es nur um eins: Wir wollen den Menschen, die nicht viel Geld und keine einflussreichen Freunde haben, die Chance geben, die Kontrolle über ihr Leben zu bekommen. Mein Job als Parteiführer und unser Job als Labour-Partei besteht darin, diese Menschen zu unterstützen, für ihre Gemeinschaften einzutreten und die echten Veränderungen zu liefern, die unser Land benötigt.

Vielleicht habe ich eine andere Ansicht über Führung als diejenige, an die die Menschen gewöhnt sind. Ich glaube, Anführer sollten starke Prinzipien haben, denen die Menschen vertrauen können. Aber sie müssen auch zuhören und den anderen vertrauen können, dass auch sie ihre Rolle spielen. Denn in jeder Gemeinschaft gibt es Anführer, die Veränderungen einleiten. Viele von ihnen würden nicht davon träumen, sich so zu nennen, aber sie sind es.

Ich denke dabei an die Mutter, die sich für die Bewohner ihres Blocks einsetzt, um die Feuchtigkeit zu bekämpfen, oder den Fast-Food-Angestellten, der seine Kollegen dabei unterstützt, einen menschenwürdigen Lohn zu fordern. Diese Anführer sind es, mit denen Labour jetzt zusammenarbeitet und die wir unterstützen. Denn unsere Philosophie besteht darin, den Menschen zu vertrauen und ihnen die Kraft zu verschaffen, damit sie nicht noch mehr Macht an die Politiker geben müssen, sondern ihre Gemeinschaften und Arbeitssituationen selbst verbessern können.

Und deshalb werde ich, wenn die britische Bevölkerung bei den kommenden Wahlen eine Labour-Regierung wählt, stolz sein, euer Premierminister zu werden. Denn ich werde eine andere Art von Premierminister sein. Nicht deshalb, weil ich dies als mein Geburtsrecht betrachte. Und sicherlich nicht aufgrund persönlicher Machtgier. Sondern deshalb, weil ich die Regierung an eure Seite stellen möchte. Weil ich Macht und Wohlstand in eure Hände geben will. Und weil ich glaube, die Regierung sollte für euch arbeiten.

Und gemeinsam können wir mehr erreichen, als nur die Errungenschaften zu verteidigen, die von früheren Generationen gemacht wurden. Es wird Zeit, dass wir ein Land aufbauen, das bereit ist für die nächste Generation. Ein Land, in dem die jungen Menschen die Zukunft nicht fürchten müssen, sondern mit Vertrauen und Hoffnung nach vorn blicken.

Der Wendepunkt ist erreicht. Die Jahre des Rückzugs und der Niederlagen sind zu Ende. Gemeinsam werden wir die Privilegierten zur Verantwortung ziehen und die Menschen an die Macht bringen.

Dies ist eine gekürzte Fassung der Rede Jeremy Corbyns auf dem Labour-Parteitag in Brighton.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff.

Quelle: ipg-journal

 

Über die Arbeit der SPD im Nordend:

Unser Arbeitsprogramm für das Jahr 2019.

Frankfurter Koalitionsvertrag:

Zur Beschlussfassung.

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04.12.2019 21:25 Bundesparteitag in Berlin
Wir laden ein zum ordentlichen Bundesparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Unser Aufbruch in eine neue Zeit. Wir wählen eine neue Parteispitze – mitbestimmt von unseren Mitgliedern. Wir stellen die Weichen für eine moderne sozialdemokratische Politik. Wir entwickeln die Organisation unserer Partei weiter, um besser und schlagkräftiger zu werden. Unsere Gesellschaft erfährt viele Veränderungen, Umbrüche und

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