SPD Nordend II - Günthersburg

SPD Nordend II - Günthersburg

Demokratiedefizit: Von der Tribüne aufs Spielfeld

Veröffentlicht am 07.02.2019 in Europa

Bisher hat die EU nur von der Brüsseler Tribüne zugeschaut, wie die Demokratie in einigen Ländern der EU abgebaut wird. Sie sollte sich aber einmischen.

Dem Institutionengefüge der Europäischen Union wird seit Langem ein Demokratiedefizit angelastet: Zu technokratisch, eine zu starke Exekutive, ein zu schwaches Parlament mit zu wenig Rechten und nicht nach dem Prinzip „one man, one vote“ zusammengesetzt. Die EU hat aber noch ein anderes Demokratieproblem – das nationale. Dem Abbau demokratischer checks und balances in Ungarn etwa hat die EU viel zu lange zugesehen.

 

Mögliche Maßnahmen zur Wahrung einer intakten EU

Dabei hat die EU juristische und politische Handhabe gegen Mitgliedstaaten, die Demokratie und Rechtsstaat auszuhöhlen versuchen. Die bislang schärfste politische Option ist das Rechtsstaatsverfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags, das mit dem Entzug von Stimmrechten eine gravierende Sanktion bietet und daher häufig auch als die „nukleare Option“ bezeichnet wurde. Ein solches Verfahren setzt jedoch große Mehrheiten in EU-Parlament und Rat voraus. Polens und Ungarns Regierungen sehen sich aktuell damit konfrontiert.

Eine weitere politische Möglichkeit bietet der mehrjährige Finanzrahmen der EU für 2021 bis 2027, der im Mai beschlossen werden soll. Hier könnten EU-Gelder an die Wahrung demokratischer Grundwerte geknüpft werden. Außerdem sollen nationale zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für Demokratie einsetzen, durch das „Rights and Values Programme“ der EU gefördert werden. Juliane Schulte unterstützt diese Verbindung von Sanktionen und positiven Maßnahmen in dem Bericht „Was 2018 der Demokratie in der EU gebracht hat – und worauf es jetzt ankommt“ für das Referat Mittel- und Osteuropa der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie plädiert allerdings für eine Aufstockung der bislang dafür vorgesehenen EU-Gelder. Darüber hinaus schlägt Schulte vor, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, anhand dessen ein unabhängiges Gremium Gefahren für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte in allen Mitgliedstaaten präzise identifizieren kann.

Es gibt jedoch auch juristische Instrumente, die künftig konsequenter eingesetzt werden sollten: So konnte etwa durch ein Vertragsverletzungsverfahren und eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof die Zwangspensionierung von Richtern in Polen gestoppt werden.

Es sind nicht nur die Rechten

Dass die EU-Institutionen inzwischen bereit sind, ihre Sanktionsmöglichkeiten zu nutzen, sieht Schulte als Hoffnungsschimmer gegen Demokratieabbau. Gleichwohl müssten auch die europäischen Parteienfamilien gegenüber ihren Mitgliedern, mit denen sie im Europaparlament Fraktionen bilden, entschlossener auftreten – etwa die konservative Europäische Volkspartei gegenüber Viktor Orbáns Fidesz. Aber auch die Sozialdemokratische Partei Europas müsste den politischen Willen entwickeln, die sozialdemokratischen Regierungen  einiger Mitgliedstaaten auf alle demokratischen Grundwerte zu verpflichten. Die Achtung rechtsstaatlicher Prinzipien und demokratischer Grundwerte ist dabei nicht nur für sich genommen ein hoher Wert, sondern essentiell für viele praktische Aspekte der europäischen Integration: Für justizielle Zusammenarbeit muss auf die Unabhängigkeit der Gerichte Verlass sein, im gemeinsamen Wirtschaftsraum müssen Unternehmen und Bürger auf Rechtssicherheit zählen können, bei Europawahlen muss eine freie Berichterstattung garantiert sein, in einem europäischen Asylverfahren müssen Menschenrechte überall bedingungslos gelten. Europäische Demokratie beginnt im Nationalstaat.

 

Autorin: Juliane Schulte, ist Referentin für Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn im Referat Mittel- und Osteuropa der Friedrich-EbertStiftung. Zusammen mit einer internationalen Expertengruppe hat sie das Papier Das andere Demokratiedefizit – Wie die EU Demokratie in ihren Mitgliedstaaten schützen kann herausgegeben, abrufbar unter library.fes.de/pdf-files/id-moe/14486.pdf

Textnachweis: https://www.fes.de/politik-fuer-europa/detailseite-newsletter-europa/demokratiedefizit-von-der-tribuene-aufs-spielfeld/

 

Über die politische Arbeit der SPD im Nordend:

Unser Arbeitsprogramm für 2020/2021 und die Kommunalwahl im März 2021.

Frankfurter Koalitionsvertrag:

Zur Beschlussfassung.

Die SPD-Ortsvereine im Nordend

Eine Übersicht der SPD-Ortsvereine im Nordend und deren Einzugsgebiete findest du hier

Das Koordinierungsbüro Bahnhofsviertel

Das Koordinierungsbüro Bahnhofsviertel: Vortrag in unserer mitgliederoffenen Vorstandssitzung 

Die Lage im Frankfurter Bahnhofsviertel geht auch uns im Nordend etwas an. In unserer mitgliederoffenen Vorstandssitzung am 19.08.2025 nahmen wir die monatelange polit

ische Debatte rund um das nun beschlossene neue Suchthilfezentrum in der Niddastrasse 76 zum Anlass, uns konkreter über die kürzlichen Entwicklungen im Bahnhofsviertel und insbesondere über die Arbeit des Koordinierungsbüros zu informieren.

Unser Mitglied Dirk Herwig stellte uns die vielfältigen Aufgabenbereiche vor. Dabei betonte er, dass das Büro Anlauf- und Vernetzungsstelle für einerseits alle Bürger:innen mit Fragen und Anregungen, andererseits für die Politik sowie für Initiativen und Organisationen ist, die im Bahnhofsviertel wirken. Als Teil der langfristigen Strategie für eine Verbesserung der Versorgung von Suchtkranken und eine Unterstützung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität ist das Koordinierungsbüro eine zentrale Anlaufstelle für gesundheitspolitische, sozialpolitische und sicherheitspolitische Herausforderungen und wirkt über seinen dezernatsübergreifenden Auftrag umfassend.

Beispielsweise verbesserte sich durch die Informations- und Koordinierungsarbeit des Büros die Ausgabe von kostenlosen Essensangeboten von Hilfsorgsnisationen und trug dadurch dazu bei, dass sich auch die Verschmutzung der Straßen reduzierte. Die anwesenden Genoss:innen zeigten großes Interesse am Konzept des neuen Suchthilfezentrums und seinen Leistungsangeboten. Von Konsumräumen, Aufenthaltsmöglichkeitrn bis hin zu psychosozialer Beratung ist damit angedacht, den veränderten Bedarfen insbesondere von Crack-Abhängigen besser gerecht zu werden. Die räumliche Nähe dieser Versorgungsangebote ist deutschlandweit erstmalig und zeigt, dass Frankfurt neue Wege ausprobiert, um suchtkranke Menschen zu unterstützen.

 

Jubilare am 18.11.2025 geehrt

Im November haben wir aus dem Kreis unserer Mitglieder im Ortsverein Nordend II / Günthersburg diejenigen geehrt, deren Mitgliedschaft ein Jubiläum darstellt und die seit 10 Jahren, 40 Jahren oder sogar 50 Jahren SPD-Genossinnen und -Genossen sind. Wir haben in Erinnerungen geschwelt, uns gemeinsam daran erinnert, wie das politische Klima zum damaligen SPD-Beitritt aussah, welche Gründe für einen Beitritt ausschlaggebend waren, und was über Zweifel hinweggeholfen hat, um weiterhin dabeizubleiben. Besonderen Dank haben wir Gudrun Korte ausgedrückt. Sie ist nicht nur seit 40 Jahren aktives Parteimitglied, sondern wurde für ihr 20-jähriges Ehrenamt im Ortsbeirat geehrt.